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Ein Gespräch mit Jimu Kobayashi über die Entstehung seiner Künstler-Edition
Art

Ein Gespräch mit Jimu Kobayashi über die Entstehung seiner Künstler-Edition

Jimu Kobayashi ist Keramikkünstler und Industriedesigner aus Düsseldorf mit japanischen und taiwanesischen Wurzeln. Nach seinem Studium an der Folkwang Universität der Künste arbeitete er neben eigenen Kreationen von 2021-2023 auch als Produktdesigner bei onomao. Der Ausbau seiner Kenntnisse in der Arbeit mit dem Material und das Entdecken der Möglichkeiten dessen sind für ihn Antrieb und Ziel.

In einer exklusiven Künstler-Edition hat er für onomao je 50 kleine und große Keramikvasen mit seinem prägnanten Design handbemalt. Jede Vase ist damit einzigartig. 

Wir haben mit Jimu über seine Liebe zur Keramik, seine Herangehensweise und die verschiedenen Inspirationen für seine Arbeiten gesprochen.

Wie bist du zur Keramikkunst gekommen?
Die erste bewusste Berührung mit Keramik habe ich durch meine Großmutter gemacht. Sie praktiziert traditionelle Teezeremonien in Japan. Bei einem Besuch meiner Oma hat sie mich durch die Zeremonie begleitet und mir alle Bestandteile einer Teezeremonie erklärt. Die Teeschale ist da natürlich wesentlicher Bestandteil davon. Die Art und Weise, solch eine Teeschale in der Teezeremonie zu begutachten, hat meinen Blick auf das Objekt komplett neu definiert. Dort entstand mein Interesse, zu erfahren, aus welchem Material diese unglaublich schöne Teeschale entstand und wie sie hergestellt wurde. In meiner Studienzeit als Industrial Designer erlernte ich die Ausführung von keramischen Prozessen in der Industrie und an der Töpferscheibe. 

Was fasziniert dich an der Arbeit mit dem Material? 
In erster Linie fasziniert mich der Prozess von Keramik. Ausgehend vom Modellieren eines weichen Klumpens Ton entsteht durch den Ofenbrand unter hohen Temperaturen das fertige Keramikobjekt. Das Material geht durch eine Art Metamorphose. Die Vorstellung, dass diese Techniken seit Jahrhunderten angewendet werden und immer noch mit ihnen gearbeitet wird, ist unglaublich.

Für mich persönlich ist die Arbeit mit dem Material spannend, weil es so vielseitig einsetzbar ist. Von Alltagsgegenständen bis hin zur Raumfahrttechnik oder Zahntechnik (haha). Zu jeder neuen Form, kommen auch neue Herausforderungen in der Umsetzung, die man wie ein Rätsel lösen muss. Das treibt mich an, handwerklich immer besser und besser zu werden und das Material besser kennenzulernen. 

Du bist in Düsseldorf zuhause, unternimmst aber auch regelmäßig Reisen in die Heimat deiner Großeltern – Japan – inwiefern beeinflusst dich deine Umgebung in deiner Kunst? Welche Inspiration ziehst du aus den jeweiligen Orten?
Für mich ist meine Arbeit eine Art Identitätssuche. Ich bin Japaner, der in Düsseldorf geboren und aufgewachsen ist. In Japan habe ich jedoch nie wirklich gelebt. Daher hatte ich als junger Mensch immer ein innerliches Problem mit der Frage meiner Zugehörigkeit. Durch meine Arbeiten kann ich aber diese Frage meiner Zugehörigkeit beantworten, indem ich mich an der japanischen und der deutschen Ästhetik bediene und diese vereine. 

Der langgezogene Pinselstrich ist charakteristisch für deine Arbeiten. Welche Bedeutung hat er? 
Der Pinselstrich auf meinen Arbeiten hat verschiedene Bedeutungen. Bei manchen Objekten will ich die Form durch den Pinselstrich verdeutlichen und unterstreichen oder die Form dadurch brechen und einen Kontrast zeigen. Der Pinselstrich selbst trägt auch noch eine Struktur in seiner Linie, die sehr facettenreich ist. Vom vollen, tiefen Blau, das sich dann zu einem sehr weichen, unkonstanten Blauton entwickelt. Er soll den Blick des Betrachters auf sich ziehen, der dann die Linie verfolgt und dadurch auch die Form besser verstehen kann. 

Die Vasen deiner Kollektion tragen alle dein Familienwappen – Für was steht es und welche Rolle spielt deine Familie für deine Arbeit?
Das Familienwappen ist seit Jahrhunderten in meiner Familie. Es symbolisiert eine Blüte, die vermutlich in Zusammenhang mit der der Reispflanze steht, da meine Familie seit Generationen im Reisanbau tätig ist. Als ich auf der Suche nach einer Signatur für meine Arbeiten war, kam mir die Frage, wofür ich das alles mache. Meine Antwort darauf war, dass ich diese Handwerkskunst für meine Familie mache. Ich will, dass sie meine Arbeiten sehen und stolz sind, dass unser Wappen darauf zu sehen ist.

Keramik erfährt in den letzten Jahren einen Trend. Hast du Vorbilder für deine Arbeit und wie schaffst du es, deinen eigenen Stil zu finden?
Es gibt viele Künstler, die für mich als Vorbilder fungieren. Zum Beispiel Tom Kemp, der ebenfalls die Technik mit dem Pinselstrich benutzt. Sein Ursprung des Pinselstrichs kommt von der Kalligraphie, die ich sehr bewundere.

Jedoch entspringt meine Inspiration durch ganz verschiedene Bereiche. Ich lasse mich sehr stark durch Musik (Kraftwerk/Yellow Magic Orchester) oder Subkulturen beeinflussen. In meinem Schaffensprozess denke ich wenig über den „eigenen Stil“ nach, da ich mich nicht selbst imitieren möchte. Ich bin der Überzeugung, dass der eigene Stil rückblickend zu sehen ist, nachdem man viele Projekte umgesetzt und realisiert hat.

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